Klar!
Seit Sommer 2025 sind die Marktgemeinde Gratwein-Straßengel und die Gemeinde Gratkorn nicht nur Teil der Klima- und Energiemodellregion (KEM), sondern auch offiziell Modellregion für Klimawandelanpassung – kurz KLAR!. Unter dem Namen KLAR! Grat² stellen wir uns gemeinsam den Herausforderungen des Klimawandels – aktiv, strategisch und zukunftsorientiert.
Warum Klimawandelanpassung?
Der Klimawandel verändert unser Lebensumfeld spürbar. Österreich ist aufgrund seiner geografischen Lage besonders stark betroffen. Die Folgen zeigen sich auf vielen Ebenen:
Hitze
Zunehmende Hitze – vor allem längere Hitzeperioden und Nächte ohne Abkühlung – bedeutet Stress für uns alle: zuhause, in der Arbeit und in der Freizeit. Für ältere Menschen, Kinder und gesundheitlich vorbelastete Personen kann Hitze sogar lebensbedrohlich sein. Der Wunsch nach Abkühlung durch Klimaanlagen oder Pools ist verständlich, aber nicht für alle leistbar oder umsetzbar. Umso wichtiger sind einfache Maßnahmen wie Beschattung, richtiges Lüften, Begrünung und gegenseitige Rücksichtnahme im Alltag.
Trockenheit
Lange Trockenperioden stellen insbesondere die Land- und Forstwirtschaft vor große Herausforderungen. Bäuerinnen und Bauern leisten einen wichtigen Beitrag zur regionalen Lebensmittelversorgung und zur Pflege unserer Kulturlandschaft – sie sind von Wasserknappheit besonders betroffen.
Starkregen, Hochwasser & Hangwasser
Mit dem Frühjahr beginnt traditionell die Gewittersaison. Gratwein-Straßengel und Gratkorn sind dabei besonders betroffen, da viele Gewitter im Grazer Bergland entstehen – und zunehmend intensiver ausfallen. Starkregen kann rasch zu Hochwasser, Hangwasser oder überlasteten Kanälen führen, oft auch abseits großer Gewässer. Hochwasserschutzbauten, Retentionsflächen, Wälder und Grünräume helfen, Schäden zu reduzieren, können aber nicht alle Risiken abfangen.
Hagel & Sturm
Heftige Gewitter bringen häufig auch Hagel und starke Windböen mit sich. Diese können Gebäude, Fahrzeuge, Gärten und landwirtschaftliche Kulturen erheblich beschädigen, aber auch eine Gefahr für jeden Einzelnen darstellen.
Vorsorge zählt
Neben öffentlichen Maßnahmen ist auch Eigenvorsorge wichtig – baulich, organisatorisch und ausrüstungstechnisch. Dazu zählen etwa das Sichern von Lichtschächten, Rückstausicherungen sowie das Beachten von Unwetterwarnungen und Entwarnungen im Ernstfall. Vergessen Sie nicht auf Ihre Liebsten, die sich im Ernstfall nur schwer selbst helfen können. Auch die eigenen Versicherungen sollten im Überblick behalten werden. Wertvolle Gegenstände sollten vielleicht nicht dort gelagert werden, wo Wasser eindringen kann.
Klimawandelanpassung und Klimaschutz:
Was ist der Unterschied?
Während Klimaschutz (z. B. durch die KEM) darauf abzielt, den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren, befasst sich die Klimawandelanpassung mit den bereits spürbaren und kommenden Folgen des Klimawandels.
Um unsere Gemeinden, Unternehmen, Vereine, Land- und Forstwirtschaft sowie die Bevölkerung bestmöglich zu unterstützen, wurde die Funktion des Klimaanpassungsmanagers (KAM) geschaffen. Er arbeitet derzeit an konkreten Themenfeldern und Maßnahmen – viele davon ergänzen den Klimaschutz, doch der Schwerpunkt liegt klar auf Vorsorge und Resilienz:
Hitzevorsorge
Hitzevorsorge im Siedlungsraum = Kühlere Orte schaffen: Begrünung, Entsiegelung und klimafitte Gestaltung öffentlicher Flächen sowie Hitzeschutzmaßnahmen bei öffentlichen Gebäuden.
Hochwasserschutz
Hochwasserschutz – Vorbeugen statt Aufräumen: Lange Trockenperioden stellen insbesondere die Land- und Forstwirtschaft vor große Herausforderungen. Bäuerinnen und Bauern leisten einen wichtigen Beitrag zur regionalen Lebensmittelversorgung und zur Pflege unserer Kulturlandschaft – sie sind von Wasserknappheit besonders betroffen.
Wasserresilienz
Wasser bleibt verfügbar: Eine stabile Trink- und Löschwasserversorgung – auch in trockenen Zeiten.
Kulturlandschaft
Kulturlandschaft im Wandel schützen und gestalten: Land- und Forstwirtschaft sowie Haus- und Gemeinschaftsgärten klimafit machen.
Extremwetter & Katastrophen
Vorsorge bei Extremwetter & Katastrophen: Schutz besonders gefährdeter Personen und Verbesserung der regionalen Resilienz gegenüber Stürmen, Muren, Hitzeextremen und Blackouts.
Für Privathaushalte und Unternehmen wird es Beratungen, Informationen zu Förderungen und weitere Unterstützungsangebote geben – orientiert am tatsächlichen Bedarf der Region.
Was passiert jetzt konkret?
Bis Sommer 2026 wird eine umfassende Klimawandelanpassungsstrategie für die Region Grat² ausgearbeitet. Anschließend beginnt die schrittweise Umsetzung. Der KAM arbeitet dabei eng mit den beiden Gemeinden (Politik & Verwaltung), regionalen und überregionalen Behörden, benachbarten KEM- und KLAR!-Regionen, LEADER und weiteren regionalen Netzwerken, Fachleuten aus Katastrophenschutz, Ziviltechnik, Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Sozialorganisationen, Wirtschaft und Umweltinitiativen.
Auch die Bevölkerung wird aktiv eingebunden – etwa über Workshops, Informationsveranstaltungen oder Beteiligungsmöglichkeiten. Alle Termine und Beteiligungsformate werden rechtzeitig über die Kommunikationskanäle der Gemeinden und Partner bekannt gegeben.